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eIDAS 2.0 und das EUDI Wallet
Europas neuer Rahmen für digitale Identitäten und seine Bedeutung für die sichere Identitätsprüfung
Einleitung
Die digitale Identität entwickelt sich zu einem zentralen Baustein für die digitale Zukunft Europas. Mit eIDAS 2.0 und dem „European Digital Identity Wallet“, kurz "EUDI-Wallet", schafft die Europäische Union einen gemeinsamen Rahmen, der es Bürgern, Einwohnern und Unternehmen ermöglicht, ihre Identität nachzuweisen, verifizierte Zugangsdaten auszutauschen und grenzüberschreitend sicher, bequem und unter eigener Kontrolle auf Dienste zuzugreifen.
Was ist eIDAS 2.0?
eIDAS ist eine Abkürzung für electronic identification, authentication and trust services. Die ursprüngliche eIDAS-Verordnung schuf einen europäischen Rahmen für elektronische Identifizierung und Vertrauensdienste. Mit eIDAS 2.0, das im Mai 2024 in Kraft trat, wurde dieser Rahmen erweitert, um einen stärker harmonisierten, auf mobile Nutzung ausgerichteten und nutzerzentrierten Ansatz für digitale Identität in der gesamten EU zu unterstützen.
Im Mittelpunkt der aktualisierten Verordnung steht die „European Digital Identity Wallet“, oft auch als „EUDI-Wallet“ bezeichnet. Jeder EU-Mitgliedstaat ist verpflichtet, mindestens eine Wallet-Lösung auf der Grundlage gemeinsamer Spezifikationen bereitzustellen, die allen Bürgern, Einwohnern und Unternehmen in der EU zur Verfügung stehen soll. Ziel ist es, die digitale Identifizierung und den Austausch verifizierter Attribute in ganz Europa einfacher, sicherer und einheitlicher zu gestalten.
Die EUDI-Wallet: Mehr als nur eine weitere App
Die EUDI-Wallet ist weit mehr als nur eine weitere staatliche App. Sie soll als Grundlage für eine neue europäische Infrastruktur für digitale Identitäten dienen. Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen können in der Wallet Identitätsdaten und elektronische Nachweise, etwa Führerscheine, Reisedokumente oder berufliche Qualifikationen sicher speichern, verwalten und bei Bedarf teilen.
Ein zentraler Grundsatz ist die Kontrolle durch die Nutzenden. Anstatt immer wieder Kopien von Reisepässen, Personalausweisen oder Zertifikaten auf verschiedene Plattformen hochzuladen, können Nutzende nur die Daten freigeben, die für eine bestimmte Transaktion erforderlich sind. Dieses Konzept der selektiven Datenfreigabe ist besonders für datenschutzsensible Prozesse von Bedeutung. Unternehmen und Behörden erhalten zuverlässige Nachweise ohne mehr personenbezogene Daten zu erheben, als unbedingt erforderlich.
Anwendungsfälle, in denen die EUDI-Wallet einen Unterschied machen kann
Die Europäische Kommission sieht eine Vielzahl potenzieller Anwendungsfälle für die EUDI-Wallet vor, die von der öffentlichen Verwaltung bis hin zu Dienstleistungen der Privatwirtschaft reichen. Im Alltag etwa könnte die Wallet genutzt werden, um online ein Bankkonto zu eröffnen, einen Führerschein vorzulegen, sich an einer ausländischen Universität einzuschreiben, Dokumente elektronisch zu signieren, für einen Flug einzuchecken oder die Identität bei einer Hotelbuchung nachzuweisen.
Für Unternehmen und Behörden kann die Wallet Onboarding- und Authentifizierungsprozesse vereinfachen. Anstatt für unterschiedliche Länder oder Dokumenttypen jeweils eigene Prozesse zur Identitätsprüfung entwickeln zu müssen, können sich Unternehmen und Behörden auf ein stärker standardisiertes Modell einstellen. Dieses ermöglicht die grenzüberschreitende Anerkennung digitaler Identitäten, erhöht die Vertrauenswürdigkeit von Identitätsnachweisen und verbessert gleichzeitig die Nutzererfahrung.
Datenschutz und Sicherheit von Anfang an
Da die EUDI-Wallet streng vertrauliche Identitätsdaten verarbeitet, haben Datenschutz und Sicherheit in diesem Zusammenhang höchste Priorität. Wallets müssen strenge Anforderungen hinsichtlich Cybersicherheit, Interoperabilität und Zertifizierung erfüllen. Das eIDAS-2.0-Rahmenwerk zielt zudem darauf ab, den Nutzenden Transparenz und Kontrolle darüber zu geben, welche Informationen mit wem geteilt und zu welchem Zweck weitergegeben werden.
Dies ist wichtig, da die digitale Identitätsprüfung bisher erforderte, dass Nutzende Kopien sensibler Dokumente an zahlreiche Dienstleister weitergeben mussten. Die EUDI-Wallet könnte dazu beitragen, Identitätsprüfungen näher an die Logik der physischen Welt heranzuführen: Eine Person legt ein vertrauenswürdiges Ausweisdokument vor, die erforderlichen Informationen werden überprüft, und ein übermäßiger Datenaustausch wird vermieden.
Warum physische Ausweisdokumente in einer Welt digitaler Identitäten weiterhin unverzichtbar sind
Die EUDI-Wallet wird künftig eine zentrale Rolle bei der Identitätsprüfung spielen. Dennoch verschwinden physische Ausweisdokumente in den nächsten Jahren nicht einfach. Reisepässe, Personalausweise und Visa werden weiterhin in vielen Bereichen zum Einsatz kommen, insbesondere beim Reisen, bei der Grenzkontrolle, im Flughafenbetrieb, beim Einchecken in Hotels, im Bankwesen und bei Behördengängen. So entsteht eine Übergangsphase, in der Unternehmen und Behörden sowohl physische als auch digitale Identitätsnachweise zuverlässig verarbeiten müssen. Moderne Identitätsinfrastrukturen sollten daher in der Lage sein, sowohl physische Dokumente als auch Wallet-basierte Identitätsnachweise im Rahmen eines einheitlichen und zukunftssicheren Ansatzes zu verarbeiten.
Interoperabilität als Grundlage des EUDI-Wallet-Systems
Die eigentliche Herausforderung besteht nicht darin, eine bestimmte Wallet-Anwendung auszulesen. Wichtig ist, die Kompatibilität mit den Technologien und Standards sicherzustellen, die den sicheren Austausch digitaler Identitäten ermöglichen. Zwar basieren die europäischen Digital Identity-Wallets auf einem gemeinsamen, von der EU definierten Rahmenwerk und einheitlichen technischen Spezifikationen; die einzelnen Mitgliedstaaten können jedoch länderspezifische Dokumenttypen, Anwendungen und Implementierungsdetails einführen. Für Unternehmen und Behörden besteht die zentrale Herausforderung daher nicht in der Wallet-Anwendung selbst, sondern in der Fähigkeit, digitale Berechtigungsnachweise unabhängig von ihrem Herkunftsland zuverlässig auszulesen und zu verifizieren. Dies erfordert die Unterstützung der Schnittstellen, Sicherheitszertifikate und Kommunikationsprotokolle, die im Rahmenwerk für die europäische digitale Identität definiert sind.
Wie DESKO Technologien sichere Identitätsprozesse unterstützen
Die Technologien von DESKO sind genau auf diese Entwicklung ausgerichtet. Neben dem Einlesen und der Überprüfung physischer Ausweisdokumente mittels OCR, RFID-Chip-Zugriff und Dokumentenauthentifizierung unterstützen unsere Lösungen auch Wallet-basierte Identitätsprüfungen. Sie stellen die erforderlichen Schnittstellen und Funktionen für den sicheren und effizienten Umgang mit mobilen Identitätsnachweisen bereit.
Durch die Unterstützung der entsprechenden Technologien sind die Lösungen von DESKO darauf ausgelegt, EUDI-konforme Identitätsnachweise unabhängig von der zugrunde liegenden Wallet-Anwendung oder der nationalen Umsetzung zu verarbeiten. Während europäische Digital-Identity-Wallets einem von der EU definierten gemeinsamen Standard und einer gemeinsamen Struktur folgen, können die einzelnen Mitgliedstaaten auch eigene Dokumenttypen und Umsetzungen einführen.
Die Identitätsprüfungslösungen von DESKO basieren auf international anerkannten Standards. Dadurch können sowohl Nachweise aus der EUDI-Wallet als auch andere ISO-konforme mobile Identitätsdokumente verarbeitet werden, unabhängig vom Wallet-Anbieter, Ausstellerland oder Implementierungsmodell. Indem DESKO eine sichere Brücke zwischen physischer und digitaler Identitätsprüfung schlägt, unterstützt die Technologie bestehende dokumentenbasierte Verifizierungsprozesse und ermöglicht gleichzeitig den nahtlosen Übergang zu zukünftigen Wallet-basierten Identitätsnachweisen. Unternehmen, Behörden und Dienstleister können dadurch schon heute ihre Prozesse zukunftssicher gestalten und sich auf die nächste Generation digitaler Identitäten vorbereiten.
Von der Regulierung zum Vertrauen in der Praxis
Mit eIDAS 2.0 und der EUDI-Wallet entsteht die Grundlage für eine europaweit einheitliche, interoperable und vertrauenswürdige digitale Identitätslandschaft. Doch regulatorische Vorgaben allein schaffen kein Vertrauen. Es entsteht erst, wenn Identitätsdaten an realen Kontaktpunkten sicher erfasst, überprüft und verarbeitet werden, vom digitalen Onboarding über den Flughafenschalter und Hotel-Check-in bis hin zu den Schaltern der Behörden
Für Unternehmen ist jetzt der richtige Zeitpunkt, bestehende Identitätsprozesse auf den Prüfstand zu stellen und sich auf eine hybride Zukunft vorzubereiten. Physische Ausweisdokumente, digitale Nachweise und Wallet-basierte Identitäten werden noch jahrelang nebeneinander bestehen. Die zentrale Herausforderung wird darin bestehen, sie mit dem gleichen Maß an Sicherheit, Effizienz und Benutzerfreundlichkeit zu verifizieren.
Quellen und weiterführende Literatur
Europäische Kommission. Startseite zum digitalen Identitätsportemonnaie der EU. Verfügbar unter:
Startseite des EU-Digital-Identity-Wallets
EUDI-Wallet-Konsortium. EUDI-Wallet. Verfügbar unter:
EUDI-Wallet-Hub
Informationsportal für vertrauenswürdige Dienste des Bundes. Europäische digitale Identitätsbrieftasche (EUDI Wallet)
Europäische digitale Identitätsbrieftasche
Europäische Union. Verordnung (EU) 2024/1183 zur Schaffung des Rahmens für die digitale Identität in der Europäischen Union.
Verordnung (EU) 2024/1183 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. April 2024 zur Änderung der Verordnung (EU) Nr. 910/2014 hinsichtlich der Schaffung des Rahmens für die europäische digitale Identität